Ich trete auf und organisiere Kultur- sowie Bildungsveranstaltungen.

Ich bin eine Tunte. Ich benutze den Begriff der Tunte als emanzipatorische Selbstbezeichnung in der Tradition der Schwulenbewegung nach der Entschärfung des §175 des Strafgesetzbuchs (StGB). Bis in das Jahr 1971 stellt der §175 StGB auch einvernehmliche sexuelle Kontakte unter Männern unter Strafe, so dass sich erst mit seiner Entschärfung ein gesellschaftlicher Möglichkeitsraum für schwulen Aktivismus eröffnete. Im Zuge umfassender Diskussionen, wie schwulenemanzipatorische Arbeit aussehen könnte, entwickelte sich die Tunte als selbstbewusst-schwule Figur. Die Tunte nimmt das Stigma der Homosexualität an und trägt es offensiv nach Außen. Was das Tunte-sein für mich bedeutet, bringen zwei Zitate der Tunte Ovo Maltine aus dem Film "Tunten lügen nicht" hervorragend auf den Punkt:

 

„Ich wollte den Leuten zeigen, ihr seid hier nicht in einer Travestieshow. Ich will keine Frau sein und auch keine darstellen. Ich bin was dazwischen. Ich bin 'ne Tunte“

 

Eine Tunte zu sein bedeutet für mich, mich von schwulenfeindlichen Strukturen der heteronormativen Gesellschaft, in der ich lebe und aufgewachsen bin zu emanzipieren. Männliche Homosexualität und Weiblichkeit, sowie Schwulenhass und Misogynie sind eng miteinander verwoben - eine Verflechtung, die sich bis in das 12. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Darum habe ich von klein auf gelernt, dass ich alles weibliche an mir verbergen muss, um ein wertvoller und anerkannter Teil der Gesellschaft sein zu können. Ich liebe aber jede Facette meines Ichs und eben auch jene weiblich-assozierten Seiten an mir. Das Spiel mit Geschlechtern der Tunte eröffnet mir als schwulen Mann Freiräume mich so zu entfalten, wie ich gerade möchte und dabei Stigmata und Normen zu überwinden. Die Tunte, die dabei entsteht, ist etwas eigenes, ein Ausdruck meiner selbst und nicht der Versuch Weiblichkeit zu parodieren.

 

„Eine Tunte erkennt man nicht daran, wie sie sich bewegt, sondern dass sie was bewegt.“

 

Als Tunte möchte ich etwas bewegen. Die tuntige Vision einer Utopie, in der alle Menschen gleichberechtigt und frei leben können, treibt mich an. Tunte zu sein ist für mich mit einer antisexistischen, antirassistischen und antikapitalistischen Grundhaltung verbunden und steht für Solidarität mit anderen marginalisierten Gruppen. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die von restriktiven Normen und Hass befreit ist und versuche, meinen eigenen kleinen Teil dazu beizutragen. Neben Demonstration, Bildungsveranstaltungen, Empowerment, Aufklärung und weiterem politischen Engagement verbindet die Tuntenshow als besonderes aktivistisches Format, Politik mit Unterhaltung. Gemeinsam mit dem Rat der Ranzigen organisiere ich selbst Tuntenshows und trete regelmäßig auf. Eindrücke davon, wie solches tuntiges Wirken aussehen kann, vermittelt die Fotostrecke auf dieser Seite.